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Freitag, 5. Januar 2007

die musik!

Relikt aus einer besseren Jugendkultur

© Universal

Was haben wir damals gelacht!

Pubertierende Heerscharen in kollektiver Hysterie bei ihren Konzerten. Tränen, Schreikrämpfe! Teddybären und der erste BH fliegen auf die Bühne. Jede Woche werden sie pflichtgemäß auf Platz eins der Bravo-Charts gewählt. In den Teenie-Postillen kaum ein anderes Thema: Starschnitt, Startreff und regelmäßige "Wer ist der Süßeste?"-Wahlen.

Dann die Katastrophen im Lauf nur eines halben Jahres: 13, 14-jährige Mädchen drohen mit Selbstmord, weil Robbie ausgestiegen ist. Massenpanik gerade erst Geschlechtsreifer Gören, als sie wenige Monate später ihre Auflösung bekannt geben. Aus der Mädchen-Traum!

Ja, so war das mit Take That.

Der Spuk hat ein Ende, dachte man im Frühsommer 1996. Tiefer kann die Jugendkultur auch nicht sinken.

Heute sind wir klüger:

Tokio-Hotel, Paris Hilton und Sido.

Heute schüren die Medien eine weit schlimmere Hysterie. Wegen talentloser Kids aus dem Ossiland mit tuntigem Frontmann.

Wegen einer noch talentloseren Hotelerbin, deren einprägsamste Leistung darin besteht, sich vor laufender Kamera mit der vollen Ladung ihres Ex-Freunds vollzusauen.

Und wegen ... bah... Sido. Der Apokalypse der deutschen Jugendkultur! Texte, die auch von 16-jährigen Schulabbrechern kommen könnten. Und erst der Name: "Super-Intelligentes-Drogen-Opfer". Zweifellos sind zwei Bestandteile davon Blödsinn.


Hiermit gestehen wir offiziell ein:


Eigentlich war das gar nicht so schlimm mit Take That.

Eigentlich sind Back for Good und Babe ja feine Songs, die den Scheiß, der später von Echt und Tokio Hotel kam, mal locker in den Schatten stellen. Obwohl man damals ja Oasis oder Rage Against the Machine gehört hat und sowas auf keinen Fall gut finden durfte.

Jetzt sind sie wieder da: Take That! Ohne Robbie. Aber mit einer Saustarken Nummer.

Ja, Patience hat es völlig zurecht auf Platz 1 der deutschen Charts geschafft. Und das Lied ist auch hundertmal besser, als alles, was Robbie in den letzten beiden uninspirierten Jahren rausgebracht hat.

Ein Vorschlag deswegen: Wenn man sich überlegt, was für Mördersongs Robbie nach seiner Take-That-Zeit rausgebracht hat, wäre es doch keine schlechte Idee, Mr. Williams per Gerichtsbeschluss in Ketten zu legen und ihn jeden Abend zu seinen Ex-Kollegen auf die Bühne zu schleifen.

Welcome back Howard, Mark, Jason and Gary. Hoffentlich bleibt Ihr uns noch ein wenig erhalten...

Wir würden uns jedenfalls freuen, wenn heute ein Teenie-Notruftelefon wegen Euch und nicht wegen Bill Kaulitz eingerichtet wird.

Mittwoch, 6. Dezember 2006

die musik.

© Universal

BLACK EYED PEAS: "MONKEY BUSINESS"

So schnell kann's gehen - eben noch ungewöhnlicher Westcoast-Hip-Hop-Geheimtipp, und schon zack!, rauf auf die Top-Of-The-Pops-Bühne. "Elephunk" (2003) war ganz klar der große Durchbruch für das Quartett; dass die Musik des Kollektivs immer wurzelverbunden blieb, ist hoch anzurechnen.

Auf dem neuesten Wurf mitten auf dem Höheflug nun wandeln die Peas im Jahr 2005 zwischen Wahnsinn und Genius; fürchterlich kommerzige Songs sind genauso drauf wie wahnsinnig geniale.

Wer beispielsweise den "Miserlou"-Bastard "Pump It" hört, ist versucht zu denken, dass das Original nur dafür gemacht wurde, für diesen Song als Grundlage zu dienen - derart gut passen die Vocals von Fergie und die Raps von Apl De Ap, Will I Am und Taboo darüber.

Wer auf "Gone Going", einer Jack-Johnson-Coverversion (auf der der Meister des entspannten Surf-Folks selbst Hand mit anlegt) die dazuarrangierten Funk-Bläser hört, fragt sich, wieso Jack Johnson auf dem Original da nicht selbst draufgekommen ist.

Und wer das Duett mit Soul-Pate James Brown "The Don't Want Music" schwitzen, schreien und grooven hört, weiß: diese Truppe hat höchste Ahnung von dem, was sie da sampled und neu mischt.

All diese genialen Momente, die ganz nebenbei auch noch abgehen wie Zäpfchen, lassen über Seltsames (etwa "My Style" mit Justin Timberlake) großzügig hinwegsehen.

Dazu kommt, dass die CD vorbildlich und einfallsreich verpackt ist. Das lustig zu lesendes Booklet und seine hochwertige Produktion schöpft den großen Vorteil aus, die eine CD gegenüber einer Platte hat: An ein aufwändig designtes LP-Cover kommt so schnell nichts, außer ein interessantes/lustiges/kunstvolles Booklet.

Fazit: Eine CD, deren große Momente überwiegen und über allzu Kommerziges hinwegtrösten.



(cu)



die musik.

© Universal

JOY DENALANE - "Born And Raised"


Sie wird ehrfurchtsvoll "German Queen of Soul" genannt - auf ihrem neuen Album deutet die gebürtige Berlinerin Joy Denalane den Beweis an, dass sie locker auf das "German" im Titel verzichten könnte.
Anders als auf ihrem Erstling "Mamani" singt die Ehefrau von Freundeskreis-Frontmann Max Herre ausschließlich auf Englisch.

Erschienen auf "Four Music", dem Label der Fantastischen Vier, vereint die Platte Hip Hop, Soul, R'n'B und ein bißchen Jazz. Denalane geht dabei einen Schritt weiter als auf ihrem Vorgänger "Mamani" und verzichtet beinahe gänzlich auf den Anteil deutscher Texte.


Das mag daran liegen, dass das Album komplett in den USA aufgenommen und gemischt ist - den Songs tut diese Reinrassigkeit nur gut. Es kommt das Gefühl auf, eine Soul-Diva aus den 60ern zu hören, die einer Aretha Franklin den Rang abzulaufen droht.

Kaum zu glauben, dass Denalane eigentlich aus Berlin kommt - ihre erdigen Soulsongs haben genug Druck, um mit den ganz Großen der Branche mithalten zu können.

(cu)